Donald Trump: Fake the system!

Eigentlich wollte Donald Trump am vergangenen Donnerstag nur seinen designierten Arbeitsminister, Alexander Acosta, der Öffentlichkeit vorstellen. Doch die eigens dafür anberaumte Pressekonferenz geriet zu einer überaus bizarren Veranstaltung, auf der Trump einmal mehr die Medien aufs Heftigste attackierte.

Diese seien geradezu „außer Kontrolle“, schnaubte der Präsident, statt von Fake News spreche er fortan lieber von „very fake news“. Einen Tag später legte Trump noch einen drauf: „Fake news media“ sind nicht „mein Feind“, twitterte er, „sie sind der Feind des amerikanischen Volkes“. Namentlich nannte er die „New York Times“ sowie die Sender NBC News, ABC, CBS und CNN.

Mit seinen Tiraden geht es Trump um weit mehr, als nur vom missglückten Start seiner Regierung abzulenken. Langfristig will er vor allem die radikale Agenda des Oval Office durchsetzen. Aus diesem Grund versucht der Präsident der vierten Gewalt, die er fortwährend als unseriös schmäht, die Deutungshoheit im öffentlichen Diskurs zu entreißen. Die Lügen des Weißen Hauses verkauft das Oval Office hingegen als „alternative Fakten“.

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Der digitale Kiosk und die geblendeten Verlage

Seit den Anfängen des kommerziellen Internet – und damit seit rund 20 Jahren – rätseln die Presseverlage, wie sie im Internet Geld verdienen können. Die lang ersehnte Antwort soll nun der am 14. September gestartete Online-Dienst Blendle liefern. Tatsächlich aber könnte sich dieser als Falle entpuppen – und die Verlage noch tiefer in die Krise stürzen.

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Die verratene Öffentlichkeit

Man fühlte sich unversehens ins alte Preußen zurückversetzt: Ende Juli wurde bekannt, dass die Generalbundesanwaltschaft (GBA) wegen Landesverrats gegen das Blog Netzpolitik.org ermittelte. Im Fokus standen dessen Gründer Markus Beckedahl und Andre Meister, einer der Redakteure. Sie wurden beschuldigt, Staatsgeheimnisse verraten zu haben. Ein schwerwiegender Vorwurf: Laut Paragraf 94 StGB droht dafür mindestens ein Jahr, im schlimmsten Fall lebenslange Haft.

Ausgelöst hatte die Ermittlungen der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. Seine zwei Strafanzeigen im März und April dieses Jahres bezogen sich auf Blogbeiträge, in denen es unter anderem um die Ausspähung sozialer Netzwerke durch eine neue Referatsgruppe des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) geht. Die GBA nahm am 13. Mai die Ermittlungen auf. Beckedahl und Meister setzte sie davon allerdings erst am 30. Juli in Kenntnis – weil die in Betracht kommenden Delikte andernfalls verjährt wären.

Sofort brach ein Proteststurm los: Politiker wie Journalisten kritisierten, dass die Nachforschungen die Pressefreiheit verletzten. Nach einem kurzen Gerangel zwischen dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range und seinem Dienstherrn, Bundesjustizminister Heiko Maas, wurden die Ermittlungen am 10. August eingestellt.

Man könnte die Causa damit als Sommerloch-Intermezzo abtun. Tatsächlich aber birgt sie auch jetzt noch erheblichen Sprengstoff und ist zugleich ein Lehrstück sondergleichen – in rechtlicher, medialer und politischer Hinsicht. Vor allem verdeutlicht sie, dass der eigentliche Verrat bislang folgenlos blieb – nämlich jener, den die Bundesregierung an der politischen Öffentlichkeit begeht.

Rückblickend ergeben sich drei Fragen: Warum waren das BfV und die GBA erstens so bemüht, den Vorwurf des Landesverrats zu konstruieren? Zweitens: Sind Blogger überhaupt Journalisten und genießen sie damit die in Artikel 5 GG gewährleistete Pressefreiheit? Und schließlich: Welche Auswirkungen haben die Ermittlungen auf die noch immer schwelende NSA-/BND-Affäre?

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Der tödlichen Umarmung entkommen

Im aktuellen „Freitag“ ist ein Text von mir unter dem Titel „Der tödlichen Umarmung entkommen“ zu finden:

Wer bestimmt die Konditionen auf dem Buchmarkt? Amazon bekommt öffentlich Druck von amerikanischen Schriftstellern. Nun haben sich auch deutsche Autoren eingeschaltet.

Am vergangenen Sonntag veröffentlichten 909 Autorinnen und Autoren einen offenen Brief in der New York Times, unter ihnen so bekannte Schriftsteller wie Douglas Preston, John Grisham und Stephen King. Sie fordern Amazon-Chef Jeff Bezos auf, Produkte aus dem Verlagshaus Hachette nicht länger zu boykottieren und den seit Monaten andauernden Streit zu beenden. Statt den Lesern Bücher vorzuenthalten, solle sich Bezos seiner eigentlichen „Obsession“ widmen – dem perfekten Service am Kunden. Um den Worten auch Taten folgen zu lassen, gaben die Autoren Bezos’ E-Mail-Adresse an: Vielleicht könnten Leserzuschriften den Amazon-Chef ja umstimmen.

Die Reaktion der Gegenseite erfolgte prompt. Noch am selben Tag veröffentlichte Amazon ebenfalls einen offenen Brief. Darin wiederholt der Konzern seine Forderung, die Preise für E-Books müssten auf unter zehn Dollar fallen. Nur dann wachse auch der Umsatz – vor allem der von Amazon. Denn zugleich verlangt der Konzern von den Verlagen höhere Preisnachlässe auf E-Books: 50 statt der bisher üblichen 30 Prozent. Am Ende ließ es sich auch Amazon nicht nehmen, die E-Mail-Adresse von Hachette-Geschäftsführer Michael Pietsch weiterzugeben. Dessen Postfach dürfte nun ebenfalls überquellen. …

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In der vergangenen Woche gab ich außerdem zwei Radiointerviews zum Thema Amazon:

  • Mit dem Deutschlandradio Kultur sprach ich über den Internetkonzern, aber auch über die Versäumnisse der Verlage – insbesondere beim Aufbau einer alternativen Verkaufsplattform.
  • Mit Radio Frei sprach ich in einem zweiteiligen Interview über die Inhalte meines Buches und die Frage, „warum sich Amazon eigentlich genau das Buch ausgesucht hat und ob alles so schlimm ist, wie es erst mal scheint.“ (Das ist es natürlich.)

20 Jahre Amazon und die Ideologie des Silicon Valley

Am vergangenen Wochenende erschien in der »jungen Welt« ein Interview mit mir »über 20 Jahre Amazon, die Ideologie des Silicon Valley und Strategien zur Rettung der Meinungsvielfalt«:

»Man glaubt, die Demokratie nicht mehr zu benötigen«
Gespräch mit Daniel Leisegang. Über 20 Jahre Amazon, die Ideologie des Silicon Valley und Strategien zur Rettung der Meinungsvielfalt

„20 Jahre Amazon und die Ideologie des Silicon Valley“ weiterlesen

Neuerscheinung: Amazon – Das Buch als Beute

Endlich: In diesen Tagen erscheint mein Buch „Amazon – Das Buch als Beute“. So fasst der Klappentext den Inhalt zusammen:

Der Internethändler Amazon hat die Einkaufsgewohnheiten von Millionen Menschen weltweit revolutioniert. Die Kunden schätzen seine preiswerte und nahezu lückenlose Warenpalette. Und da die Lieferung zumeist schon am nächsten Werktag erfolgt, ziehen immer mehr Menschen den bequemen Mausklick dem stressigen Einkauf vor.

Doch der Schein der schönen neuen Warenwelt trügt. Denn hinter der Fassade von Amazons Online- Shop verbirgt sich eine Welt prekärer Arbeitsbedingungen. Zudem bindet Amazon Buchhändler und Verlage durch seine aggressive Wachstumspolitik derart an sich, dass sie mit dem Unternehmen nicht mehr konkurrieren, sondern nur noch in seiner Abhängigkeit weiterleben können.

Amazon kennt dabei nur ein Ziel: Der Konzern will zu einem globalen Medienimperium heranwachsen und langfristig den gesamten Markt kontrollieren — von der Produktion bis zum Vertrieb eines jeden Buches. Nur mit vereinten Kräften können die Verlage, der Buchhandel, die Politik und die Kunden ein solches Amazon-Monopol noch verhindern.

Die 128 Seiten werden 12,80 Euro kosten, eine runde Sache also. Erhältlich ist es im gut sortierten Buchhandel – und vermutlich auch bei Amazon.

Links: Bestellen | Inhaltsverzeichnis | Waschzettel | Rezensionsexemplare

 

Daniel Leisegang: Amazon – Das Buch als Beute
1. Auflage 2014, 128 Seiten, kartoniert
Schmetterling Verlag, ISBN 3-89657-068-4, 12,80 Euro
Erscheint März 2014

 

Evgeny Morozov: Der Irrglaube des Internetzentrismus

Mehr denn je soll uns technischer Fortschritt den Weg in eine strahlende Zukunft weisen. Facebook verspricht ein friedlicheres Zusammenleben aller Menschen, Google will das Kompendium menschlichen Wissens sein, und mithilfe von Smartphone-Apps kontrollieren wir unseren Kalorienverbrauch und die tägliche Schrittzahl.

Was aber ist dran an diesem Versprechen? Können wir unser Leben mithilfe digitaler Technologien und Apps tatsächlich grundlegend verbessern? Diesen Fragen geht der gebürtige Weißrusse Evgeny Morozov in seinem neuen Buch „To Save Everything Click Here“ nach. Auf über 400 Seiten beleuchtet er die Ideologien des Internetzeitalters und zeigt deren Auswirkungen auf unser Handeln und unser soziales Zusammenleben auf. „Evgeny Morozov: Der Irrglaube des Internetzentrismus“ weiterlesen

Amazon und die Strategie der tödlichen Umarmung

Auch wenn der Online-Händler Amazon nicht einmal 20 Jahre existiert, hat er die Einkaufsgewohnheiten der Menschen bereits revolutioniert. Allein in der Vorweihnachtszeit des vergangenen Jahres nutzten hierzulande über 30 Millionen Besucher das Portal.[1] Die Kunden schätzen Amazons preiswerte und nahezu lückenlose Warenpalette, die unabhängigen Produktbewertungen der anderen Kunden sowie die unkomplizierten Umtauschoptionen. Und da das Unternehmen zumeist sogar eine Lieferung innerhalb eines Werktages verspricht, ziehen viele den bequemen Mausklick dem stressigen Einkauf vor. „Amazon und die Strategie der tödlichen Umarmung“ weiterlesen

Sozialarbeiter Broder

Wer hätte das geahnt: In Henryk M. Broder, Deutschlands bekanntestem Antisemitismus-Erschnüffler, steckt nach schmerzlicher Selbsterkenntnis nichts anderes als ein „kleiner Sozialarbeiter, der eine Seele retten will“. Und ausgerechnet Jakob Augstein sollte es sein, der diese Wandlung zum Wahren, Guten und Schönen herbeiführte.

Doch immer der Reihe nach: Noch im September letzten Jahres hatte Broder den Herausgeber der Wochenzeitung „der Freitag“ als „Salon-Antisemiten“ beschimpft. Als dieser sich davon gänzlich unbeeindruckt zeigte, legte der brodelnde Broder kräftig nach: Augstein sei „ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder […], der kleine Streicher von nebenan.“

Doch selbst diese infame Provokation – Julius Streicher war während der Nazizeit immerhin Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes „Der Stürmer“ und wurde nach Ende des Krieges für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt – beschwieg Jakob Augstein ungerührt. „Sozialarbeiter Broder“ weiterlesen

Die Rückkehr des Journalismus

Mit der Zeitungskrise scheint die Erkenntnis einher zu gehen, dass man mit Journalismus kein Geld mehr verdienen kann. Schon seit langem befindet sich die verkaufte Gesamtauflage bundesdeutscher Tageszeitungen im Sinkflug. Es bedarf daher keiner hellseherischen Fähigkeiten, um vorherzusagen, dass in den kommenden Monaten weitere Tageszeitungen ihren Vertrieb einstellen werden.

Dass journalistische Angebote jedoch auch erfolgreich sein können – zumal im Internet –, zeigt ein Blick auf die renommierte „New York Times“. Sie hat bereits 2011 ein Bezahlmodell für ihr digitales Angebot eingeführt. Nur ein Jahr danach verkauft die NYT bereits durchschnittlich mehr digitale als gedruckte Ausgaben. Haben wir es also möglicherweise gar nicht in erster Linie mit einer Krise der Zeitungen, sondern vielmehr mit einer Krise des Journalismus zu tun? Was aber bedeutet dies für die Verlage?

Die Ursachen für ihre Misere sehen die Medienhäuser zumeist im Wandel der Werbeindustrie und der „Gratismentalität“ der Internetnutzer. Tatsächlich geht das derzeitige Zeitungssterben aber auch und nicht zuletzt auf gravierende verlegerische Fehlentscheidungen der letzten Jahre zurück – allen voran auf eine rigide Sparpolitik. „Die Rückkehr des Journalismus“ weiterlesen