Ältere Einträge for Medien

Das Wettrüsten im Internet

Der Datenverkehr im Internet überwindet scheinbar mühelos alle Grenzen. In Sekundenbruchteilen rasen Informationen von einem ans andere Ende der Welt. Die zunehmende Vernetzung führt jedoch auch Risiken mit sich. Lange Zeit warnten Experten vor allem vor Computerviren oder Betrugsversuchen im Netz. Nun weisen sie auf eine neue, weitaus größere Gefahr hin: Sogenannte Kritische Infrastrukturen gerieten zunehmend ins Visier von professionellen Hackern. Ein Cyberangriff könnte die Energieversorgung, das Finanzwesen oder gar militärische Einrichtungen eines Landes treffen – mit dramatischen Folgen für die Bevölkerung.

Richard Clarke, ehemaliger Bundeskoordinator für nationale Sicherheit unter den US-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush, beschreibt in seinem jüngst auf Deutsch erschienenen Buch „World Wide War“ die Folgen eines „Digital Pearl Harbour“, eines überraschenden Cyberangriffs auf die USA: Nachdem es Hackern gelungen ist, die Server amerikanischer Energieunternehmen unter ihre Kontrolle zu bringen, lösen sie einen landesweiten Stromausfall aus. Raffinerien gehen daraufhin in Flammen auf und Giftgaswolken treiben auf Ballungsräume zu. Die Verkehrs- und Kommunikationssysteme erleiden einen Totalausfall, infolge dessen kollabiert das Finanzsystem. Schließlich werden die Lebensmittel knapp, Polizei und Notdienste verlieren die Kontrolle über das wachsende Chaos, Tausende Menschen sterben.

Im Cyberwar muss aus Sicht von Sicherheitsexperten somit kein einziger Schuss fallen, um eine Supermacht wie die USA in die Knie zu zwingen. Doch ist dieses Szenario realistisch? Was ist tatsächlich dran am sogenannten Cyberwar?

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Die neuen Warhols

Andy Warhol hat einst die Kunstwelt revolutioniert: Neben seinen Suppendosen und vielfarbigen Konterfeis waren es vor allem seine „Death and Disaster Paintings“, die ihn in den 60er Jahren weltberühmt machten.

Als Vorlagen für seine Werkreihen „Car Crash“, „Suicide“ und „Electric Chairs“
dienten Warhol auch Pressefotos, die er immer wieder verfremdete, so dass die einstige Bedeutung des Bildes hinter den zahllosen Vervielfältigungen zurücktrat. Bei all seiner schillernden Exzentrik war Warhol vom Tod fasziniert – insbesondere wenn er zur Sensationsmeldung wurde. Seine Werke legen daher auch die morbide Seite des „American Way of Life“ offen.

Rund 50 Jahre nach Warhols Durchbruch zeigt sich: Sein künstlerisches Wirken strahlt bis in das „Copy-Paste-Zeitalter“ aus – und wird im Internet massenhaft imitiert. Als jüngstes Motiv dient der digitalen Pop-Art-Welle eine vom Weißen Haus veröffentlichte Momentaufnahme aus dem „Situation Room“, die Anfang Mai auf sämtlichen Titelseiten abgedruckt war. Sie zeigt, wie die politische Machtelite der USA in einer Videokonferenz gebannt die Tötung Osama Bin Ladens verfolgt. Die Spannung in dem Raum ist förmlich mit Händen zu greifen: Der fokussierte Blick des US-Präsidenten Obama sei „wie ein Laser“ gewesen, unterstrich die „New York Times“.

Allein Hillary Clinton scheint in jenem Moment von der Anspannung schier überwältigt: Die Augen weit aufgerissen, hält sich die Außenministerin erschrocken eine Hand vor den Mund. Eilig erklärte Clinton ihren Kontrollverlust wahlweise mit einem plötzlichen Gähnen oder einer Frühjahrsallergie.

Doch es half nichts. Prompt wurde der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Führungsschwäche unterstellt – nicht zuletzt, weil sie es war, die im Wahlkampf 2008 die außenpolitischen Qualitäten ihres Konkurrenten Obama vehement angezweifelt hatte.

Bevor die Ausdeutungen über die Schrecksekunde jedoch richtig an Fahrt gewinnen konnten, sprangen der Politikerin im Internet unerwartet zahlreiche Warhols zur Seite – und verarbeiteten das Pressefoto kurzerhand zu Netzkunst. Weiterlesen…

The Internet: Empowering or Censoring?

RSA Animate – The Internet in Society: Empowering or Censoring Citizens?

“Taz”: 6x so viele e-Paper-Abos wie “Die Welt”

Interessant der Vergleich der aktuellen Verkaufszahlen der elektronischen Ausgaben zwischen Springer und der tageszeitung.

“Aktuelle Zahlen der IVW zeigten vergangene Woche, wie schwach sich die ePaper-Ausgaben von Bild, Welt, BamS & Co. derzeit verkaufen. Alle Springer-Zeitungen und -Zeitschriften verfügen als ePaper demnach nur über dreistellige Abonnentenzahlen. [...]

2721 Leser haben die taz als ePaper abonniert, wie die Zeitung auf Anfrage von MEEDIA mitteilte. Im hauseigenen taz-Blog gibt man sich ruhmesreich und spekuliert darüber, woran es liegen könnte, dass die eigene Zeitung über so viel mehr ePaper-Abonnenten verfügt.

Neben allen journalistischen Gründen mag dies auch daran liegen, dass “die digitale Ausgabe schon zwischen 21 Uhr und 22 Uhr erscheint”, so mutmaßt die taz.

Bemerkenswert scheint mir aber zudem:

“Bei der taz erscheint dagegen jede Ausgabe als Mobi, als ePub (ohne Digital Right Management), als PDF, als HTML sowie in der reinen Textversion als TXT – damit kann man die taz auf iPhone und iPad problemlos lesen.”

Offene Formate werfen also mehr ab als das geschlossene Wunder-Pad?

U-Bahn-Musik

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Auf dem Weg zum Dauerwerbe-Internet

Traditionell hat YouTube zu Jahresbeginn einen Rückblick auf die erfolgreichsten “YouTube ads of 2010″ veröffentlicht. An der Spitze steht – wenig überraschend – das Old-Spice-Video “The Man Your Man Could Smell Like”. Derartige Werbevideos gehören heute zum Internet wie das “www”. Welche Folgen aber hat das Virale Marketing für die “digitale Öffentlichkeit” und die Kommunikation im Internet?

In den “klassischen” Printmedien ist Werbung für den Verbraucher in der Regel klar als solche erkennbar. Das Label “Anzeige” trennt – bei funktionierender Selbstkontrolle unabhängiger Medien – den käuflichen vom unverkäuflichen Teil der Druckseiten. Daraus folgt auch, dass Schleichwerbung hierzulande grundsätzlich unzulässig ist.

Das kommerzielle Werben in die Privatsphäre hinein ist zudem noch weitaus strenger reglementiert. Beispielsweise ist Telefonwerbung, die ohne vorheriges Einverständnis des Verbrauchers erfolgt, seit Mitte 2009 strikt untersagt, um die Belästigung durch Anrufe von Call-Centern zu unterbinden. Bei einem Verstoß droht den Unternehmen eine Geldbuße bis zu 50.000 Euro.

Wie aber sieht es im Internet aus? Hier hat sich der kommerzielle Kundenfang in eine nur schwer zu kontrollierende Plage entwickelt. Der allgegenwärtigen Reklame müssen sich die Nutzer zudem mit eigenen Mitteln erwehren – gleich ob sie privat oder öffentlich kommunizieren: Adblocker unterdrücken aufdringliche Werbebanner und hinterhältige Layer Ads; Spamfilter verbannen einen Großteil “sex-ueller Akt*i-vitaeten” aus der privaten Inbox.

Vor einer bestimmten Art der Werbung können sich die Nutzer allerdings nur schwerlich schützen: viralen Werbevideos. Im Gegenteil wirken jene an der Verbreitung dieser zumeist unterhaltsamen Filmchen aktiv mit. Weiterlesen…

So you still think the Internet is free.

Der Web-Designer YuxiYou veranschaulicht in einer gelungenen Präsentation, wer auf dieser Welt aus welchen Gründen und mit welchen Mitteln Inhalte im Internet zensiert.

Kulturflatrate: Der neue Sozialvertrag

Im vergangenen Jahrzehnt hat in der Musikindustrie eine stille Revolution stattgefunden: Durch das Internet hat sich die Technik des Kopierens verbreitet und – in ihrem Fahrwasser – eine globale Tauschgesellschaft herausgebildet, in der täglich mehrere hunderttausend Musik- und Filmdateien kostenlos über Tauschbörsen getauscht werden. Tauschbörsen ermöglichen die direkte Übertragung von Dateien zwischen Endnutzern (Peer-to-Peer, P2P). Diese verfolgen mit dem sogenannten Filesharing in der Regel keine kommerziellen Interessen. In den Augen der Nutzer ist das Filesharing vielmehr heute das, was noch vor wenigen Jahren die selbst bespielte Musikkassette war – nur in weit größeren Maßstäben. Weiterlesen…

Wikileaks: Macht und Verantwortung

Wikileaks definiert sich als „Open-Source-Nachrichtendienst“. Der Ausdruck „Wiki“ ist dabei an die Mitmach-Enzyklopädie Wikipedia angelehnt; der Begriff „Leak“ bezeichnet im Englischen eine undichte Stelle. Der Name ist Programm: Jeder kann Wikileaks geheime Informationen übergeben. Dabei garantiert die Organisation seinen Informanten vollkommene Anonymität. Nicht einmal die Projektverantwortlichen erfahren – dank aufwendiger Verschlüsselungsvorkehrungen – deren Identität.
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Google Street View: Die Öffentlichkeit als Ware

Mario Sixtus mahnt zu Wachsamkeit: Kritik an Google Street View komme einem Angriff auf die Grundrechte jedes Einzelnen gleich. Google Street View mache den öffentlichen Raum erst wirklich öffentlich. Dem Geschwätz von „Phobikern“ sei daher keine Beachtung zu schenken.

Der IT-Berater Jens Best münzt diese Weisung kurzerhand in praktisches Handeln um. Mit einer PR-Aktion in eigener Sache hat er sich geschickt in die Debatte um Street View eingeschaltet: Er will die „freie Zugänglichkeit“ des „digitalen öffentlichen Raums“ mit der Kamera in der Hand verteidigen. Wenn es sein müsse, tönt er, sei er sogar „bereit, ins Gefängnis zu gehen.“

Dem kühnen Aufrührer springt schließlich Michael Seemann zur Seite: Der Kritik an Google begegnet er mit digitalem Darwinismus: „Der Sprung ins kalte Wasser wird niemandem erspart bleiben, so oder so. [...] Willkommen in unserer Welt.“

Was veranlasst diese Riege wackerer „Netzaktivisten“, den neuen Google-Dienst nicht nur willkommen zu heißen, sondern ihn zudem mit martialischer Rhetorik und couragiertem Einsatz gegen Kritik zu verteidigen?
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