Schöne neue Überwachungswelt

Nun herrscht Gewissheit: Wir leben tatsächlich in einer Überwachungswelt. Diese Erkenntnis verdanken wir dem ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden. In den vergangenen Wochen veröffentlichte er in Kooperation mit dem britischen „Guardian“ eine Reihe brisanter Dokumente, denen Interviews in Zeitschriften aller Welt folgten. Ihnen zufolge überwachen angelsächsische Nachrichtendienste fast unsere gesamte Kommunikation – auch und vor allem im Internet.

Überraschend ist weniger die Überwachung selbst, als vielmehr ihr ungeheures Ausmaß. So späht der amerikanische Militärgeheimdienst National Security Agency (NSA) insbesondere Kommunikationsdienste, Soziale Netzwerke sowie Cloud-Speicher aus – und das weltweit. Dazu fordert sein Spähprogramm Prism gezielt private Nutzerdaten bei Konzernen wie Microsoft, Yahoo, Google oder Facebook an. Jeden Monat spioniert die NSA zudem mehr als eine halbe Mrd. Telefonate, SMS-Nachrichten und Emails deutscher Bürger aus.

Auch der britische Dienst Government Communications Headquarters (GCHQ) liest im großen Stil mit. Statt wie die NSA nur die Nutzerdaten abzufragen, zapft er seit Jahren im Rahmen seines Spionageprogramms Tempora mehr als 200 internationale und interkontinentale Glasfaserkabel direkt an, darunter auch das TAT-14 im Atlantik, das einen großen Teil der deutschen Überseekommunikation weiterleitet. Die Briten teilen die abgesaugten Daten – schätzungsweise 21 000 Terabyte am Tag – mit den Vereinigten Staaten: 300 GCHQ- und 250 NSA-Agenten werten die Informationen gemeinsam aus.[1]

Noch immer dürften nicht alle Fakten der nachrichtendienstlichen Exzesse auf dem Tisch liegen. Doch schon jetzt steht fest: Die Grenzen zwischen dem Gebaren vorgeblich rechtsstaatlich begrenzter Geheimdienste im „Krieg gegen den Terror“ und den Überwachungsmethoden totalitärer Staaten sind kaum noch zu erkennen. Die nun offenbar gewordene umfassende Spionage unterwirft die Bürger potentiell vollständiger geheimdienstlicher Kontrolle, hebelt ihre Grundrechte aus und unterhöhlt das Vertrauen in den demokratischen Rechtsstaat. „Schöne neue Überwachungswelt“ weiterlesen

Amazon und die Strategie der tödlichen Umarmung

Auch wenn der Online-Händler Amazon nicht einmal 20 Jahre existiert, hat er die Einkaufsgewohnheiten der Menschen bereits revolutioniert. Allein in der Vorweihnachtszeit des vergangenen Jahres nutzten hierzulande über 30 Millionen Besucher das Portal.[1] Die Kunden schätzen Amazons preiswerte und nahezu lückenlose Warenpalette, die unabhängigen Produktbewertungen der anderen Kunden sowie die unkomplizierten Umtauschoptionen. Und da das Unternehmen zumeist sogar eine Lieferung innerhalb eines Werktages verspricht, ziehen viele den bequemen Mausklick dem stressigen Einkauf vor. „Amazon und die Strategie der tödlichen Umarmung“ weiterlesen

Die Rückkehr des Journalismus

Mit der Zeitungskrise scheint die Erkenntnis einher zu gehen, dass man mit Journalismus kein Geld mehr verdienen kann. Schon seit langem befindet sich die verkaufte Gesamtauflage bundesdeutscher Tageszeitungen im Sinkflug. Es bedarf daher keiner hellseherischen Fähigkeiten, um vorherzusagen, dass in den kommenden Monaten weitere Tageszeitungen ihren Vertrieb einstellen werden.

Dass journalistische Angebote jedoch auch erfolgreich sein können – zumal im Internet –, zeigt ein Blick auf die renommierte „New York Times“. Sie hat bereits 2011 ein Bezahlmodell für ihr digitales Angebot eingeführt. Nur ein Jahr danach verkauft die NYT bereits durchschnittlich mehr digitale als gedruckte Ausgaben. Haben wir es also möglicherweise gar nicht in erster Linie mit einer Krise der Zeitungen, sondern vielmehr mit einer Krise des Journalismus zu tun? Was aber bedeutet dies für die Verlage?

Die Ursachen für ihre Misere sehen die Medienhäuser zumeist im Wandel der Werbeindustrie und der „Gratismentalität“ der Internetnutzer. Tatsächlich geht das derzeitige Zeitungssterben aber auch und nicht zuletzt auf gravierende verlegerische Fehlentscheidungen der letzten Jahre zurück – allen voran auf eine rigide Sparpolitik. „Die Rückkehr des Journalismus“ weiterlesen

Facebook: Cash mit dem Crash

Die Medien sind sich einig: Das Börsendebüt von Facebook geriet zum Fiasko. Nur mit Mühe konnte sich der Preis der Facebook-Aktie am ersten Handelstag, dem 18. Mai d.J., über dem Ausgabekurs von 38 US-Dollar halten. Bereits am Tag darauf verzeichnete das Papier ein Minus von 11 Prozent. Mitte Juni sank der Preis dann sogar auf rund 29 US-Dollar, was einen Verlust von knapp 24 Prozent bedeutet.

Doch der Schein trügt. Denn zumindest aus Sicht von Facebook lief alles weitgehend nach Plan. Ein Börsengang (Initial Public Offering, kurz IPO) dient schließlich dazu, einem Unternehmen durch den Verkauf von verbrieften Geschäftsanteilen Kapital zuzuführen. Facebook hat diese Gelegenheit „glänzend“ genutzt, indem es gezielt überhöhte Gewinnerwartungen schuf, die dem Konzern lukrative Gewinne garantierten. Der Zeitpunkt des Börsengangs war obendrein klug gewählt. Denn die Unternehmensführung weiß, dass das Geschäftsmodell von Facebook derzeit an seine Grenzen stößt. „Facebook: Cash mit dem Crash“ weiterlesen

Das Wettrüsten im Internet

Der Datenverkehr im Internet überwindet scheinbar mühelos alle Grenzen. In Sekundenbruchteilen rasen Informationen von einem ans andere Ende der Welt. Die zunehmende Vernetzung führt jedoch auch Risiken mit sich. Lange Zeit warnten Experten vor allem vor Computerviren oder Betrugsversuchen im Netz. Nun weisen sie auf eine neue, weitaus größere Gefahr hin: Sogenannte Kritische Infrastrukturen gerieten zunehmend ins Visier von professionellen Hackern. Ein Cyberangriff könnte die Energieversorgung, das Finanzwesen oder gar militärische Einrichtungen eines Landes treffen – mit dramatischen Folgen für die Bevölkerung.

Richard Clarke, ehemaliger Bundeskoordinator für nationale Sicherheit unter den US-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush, beschreibt in seinem jüngst auf Deutsch erschienenen Buch „World Wide War“ die Folgen eines „Digital Pearl Harbour“, eines überraschenden Cyberangriffs auf die USA: Nachdem es Hackern gelungen ist, die Server amerikanischer Energieunternehmen unter ihre Kontrolle zu bringen, lösen sie einen landesweiten Stromausfall aus. Raffinerien gehen daraufhin in Flammen auf und Giftgaswolken treiben auf Ballungsräume zu. Die Verkehrs- und Kommunikationssysteme erleiden einen Totalausfall, infolge dessen kollabiert das Finanzsystem. Schließlich werden die Lebensmittel knapp, Polizei und Notdienste verlieren die Kontrolle über das wachsende Chaos, Tausende Menschen sterben.

Im Cyberwar muss aus Sicht von Sicherheitsexperten somit kein einziger Schuss fallen, um eine Supermacht wie die USA in die Knie zu zwingen. Doch ist dieses Szenario realistisch? Was ist tatsächlich dran am sogenannten Cyberwar?

Weiterlesen auf blaetter.de