Evgeny Morozov: Der Irrglaube des Internetzentrismus

Mehr denn je soll uns technischer Fortschritt den Weg in eine strahlende Zukunft weisen. Facebook verspricht ein friedlicheres Zusammenleben aller Menschen, Google will das Kompendium menschlichen Wissens sein, und mithilfe von Smartphone-Apps kontrollieren wir unseren Kalorienverbrauch und die tägliche Schrittzahl.

Was aber ist dran an diesem Versprechen? Können wir unser Leben mithilfe digitaler Technologien und Apps tatsächlich grundlegend verbessern? Diesen Fragen geht der gebürtige Weißrusse Evgeny Morozov in seinem neuen Buch „To Save Everything Click Here“ nach. Auf über 400 Seiten beleuchtet er die Ideologien des Internetzeitalters und zeigt deren Auswirkungen auf unser Handeln und unser soziales Zusammenleben auf. „Evgeny Morozov: Der Irrglaube des Internetzentrismus“ weiterlesen

Die Kolonialisierung der Öffentlichkeiten (Teil IV)

Die neuen Öffentlichkeiten im Internet

Wo stehen wir also gegenwärtig? Die Printmedien sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen, während sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk gegen die politische Einflussnahme durch die Parteien stemmen muss. Neben die „klassischen Medien“ ist seit einigen Jahren das Internet getreten. Zugleich findet seitdem zugleich eine Debatte über seine Rolle in der demokratischen Öffentlichkeit statt.

Die für uns spannende Frage lautet: Kann das Internet aus dieser zunehmend kolonialisierten Medienlandschaft einen Weg weisen? „Die Kolonialisierung der Öffentlichkeiten (Teil IV)“ weiterlesen

Die Kolonialisierung der Öffentlichkeiten (Teil III)

Die Kolonialisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Wenn aber der ökonomische Wettbewerb nicht vor den Gefahren einer kommerziellen Kolonialisierung schützen kann, wie sieht es dann mit Medien aus, die anders als über den Markt organisiert sind – beispielsweise der öffentlich-rechtliche Rundfunk?

Ein Marktversagen wie bei den Printmedien sollte hier daher auszuschließen sein. Aber auch der bundesdeutsche Rundfunk ist nicht vor ähnlichen Gefahren gefeit: Zwar ist er in der Tat weniger kommerziellen dafür aber umso mehr administrativen Kolonialisierungstendenzen ausgesetzt.

Die Geschichte des deutschen Rundfunks lässt sich grob in vier Epochen unterteilen: der staatsnahe Rundfunk in der Weimarer Republik, der gleichgeschaltete Propaganda-Rundfunk der NS-Zeit, der öffentlich-rechtliche Rundfunk nach 1945 und schließlich das duale Rundfunksystem ab 1984. „Die Kolonialisierung der Öffentlichkeiten (Teil III)“ weiterlesen

Die Kolonialisierung der Öffentlichkeiten (Teil II)

Die Krise der Printmedien

Habermas’ Resümee mag aus gegenwärtiger Sicht übertrieben pessimistisch erscheinen.

Man darf allerdings nicht vergessen, dass seine Analyse unter dem Eindruck der damaligen politischen Situation der Adenauer-Republik entstanden ist. Zudem gingen in den 60er Jahren Tausende Menschen gegen die erdrückende Macht des Springer-Konzerns und für die Meinungsfreiheit auf die Straße.

Hingegen verfügen wir heute über eine vergleichsweise große publizistische Vielfalt – zumindest auf den ersten Blick. Denn gerade die gegenwärtige wirtschaftliche und journalistische Entwicklung der Printmedien lässt durchaus Parallelen zu der Analyse Habermas’ erkennen.

Nicht allein der Markt der Printmedien ist von dieser Entwicklung betroffen. Der Prozess der Kolonialisierung lässt sich ebenfalls an der Institutionalisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufzeigen – also gerade dort, wo ein Marktversagen gar nicht stattfinden sollte.

Aber kommen wir zunächst auf die gegenwärtige Situation der Printmedien zu sprechen. „Die Kolonialisierung der Öffentlichkeiten (Teil II)“ weiterlesen

Die Kolonialisierung der Öffentlichkeiten (Teil I)

Der Soziologe Niklas Luhmann ging davon aus, dass alles, „was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ Er war auch überzeugt, Massenmedien zeichnen sich dadurch aus, „dass keine Interaktion unter Anwesenden zwischen Sender und Empfängern stattfinden kann.“

In der Tat: Wir leben in einer Mediengesellschaft. Wie beispielsweise die soziale Wirklichkeit in diesem Land aussieht, erkennen wir vor allem durch Zeitung, Radio und Fernsehen. Auch politische Debatten sind in erster Linie über die Massenmedien vermittelt; eine „öffentliche Meinung“ kann ohne die Medien weder dargestellt noch beeinflusst werden.

Dennoch sind die Annahmen Luhmanns heute grundlegend in Frage gestellt. Denn mit dem Internet verändert sich unser Verständnis, welche gesellschaftlichen Funktionen Medien haben und damit zugleich, was wir unter „öffentlicher Sphäre“ verstehen.

Mehr noch: Unser Verständnis von „Öffentlichkeit“ wird geradezu umgekehrt. Denn durch das Internet haben die Medien mehr als je zuvor das Potential nicht nur Medien für Massen, sondern Medien der Massen zu werden. „Die Kolonialisierung der Öffentlichkeiten (Teil I)“ weiterlesen

Vortrag: „Die Kolonialisierung der Öffentlichkeiten“

Ich war eingeladen, auf der Fachtagung „Zukunft der Bibliotheken“ den Einführungsvortrag zu dem Thema „Die Kolonialisierung der Öffentlichkeit(en)“ zu halten.

Die Fachtagung fand statt vom 12.-14. Juli 2010 in Bad Urach in Zusammenarbeit mit den Fachstellen für das öffentliche Bibliothekswesen bei den Regierungspräsidien Baden-Württemberg statt.

Diesen Vortrag veröffentliche auf meinem Blog in den kommenden Tag in vier Teilen.
Der erste Teil enthält die Einführung und eine Übersicht über Jürgen Habermas‘ „Strukturwandel der Öffentlichkeit“.
Der zweite Teil handelt von der Tendenz einer kommerziellen Kolonialisierung der Printmedien, der darauf folgende dritte Teil von der einer administrativen Kolonialisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Im vierten und letzten Teil behandele ich die neuen Öffentlichkeiten im Internet, die sich einer Kolonialisierung potentiell erfolgreich erwehren können.