Appetit auf frische Kirschen

Peter Glaser wirft einen Blick auf die ägyptische Kommunikationsgeschichte – von den Brieftauben, über das Telefon bis zum Internet. Rückblickend, so der Schriftsteller, stellten die Kommunikationsbedürfnisse am Nil immerzu eine große Herausforderung dar.

Als ein Sultan im mittelalterlichen Kairo einmal Appetit auf frische Kirschen bekam, die in Ägypten aber nicht zu haben waren, schickte sein Wesir 600 Brieftauben von Damaskus nach Kairo. Jede Taube hatte ein Beutelchen mit einer Kirsche an den Fuß gebunden.

Heute bedrohen vor allem SMS, Twitter, Blogs & Co das alte Regime – nicht allein durch ihr Potential, Massen zu mobilisieren. Die Ironie der Geschichte besteht gerade darin, dass der Versuch, die neuen Kommunikationsmittel auszuschalten, die jüngsten Proteste erst richtig anheizten:

Die Totalblockade des Internet in Ägypten hat das Gegenteil dessen bewirkt, was das Regime beabsichtigt hat. 20 Millionen User hatten zu Hause nichts mehr zu tun, kein Netz – also gingen sie auf die Straße.

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