Das unaufhaltsame Sterben der Buchhandlungen?

Im aktuellen „Freitag“ gehe ich in der Frage nach, ob und wie der klassische Buchhandel noch gerettet werden kann. Ausführlicher widme ich mich dieser Frage auf www.logos.vision:

Für den stationären Buchhandel begann das Jahr mit einer Hiobsbotschaft: 2015 verzeichnete er erneut einen deutlichen Umsatzrückgang – um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Sterben der kleinen und mittleren Buchhandlungen geht damit weiter. In den vergangenen zehn Jahren sank ihre Zahl bereits um ein Viertel.

Ganz anders sieht es beim Versandhändler Amazon aus: Dessen Umsätze steigen seit Jahren um durchschnittlich 20 Prozent. Mehr als 80 Prozent des Online-Buchhandels soll Amazon Schätzungen zufolge inzwischen beherrschen – Tendenz steigend.

In der Debatte, wie sich dieser fatale Trend stoppen oder gar umkehren ließe, wird jedoch ein entscheidender Aspekt meist übersehen: Amazon ist nicht die Ursache der Buchhandelskrise, sondern vielmehr ihr Symptom. Denn es gibt klare Gründe dafür, warum Kunden zu Amazon überlaufen – allen voran ihre konsumistische Bequemlichkeit: Das gewünschte Produkt kann der Kunde jederzeit per Rechner oder Smartphone bestellen, auf Wunsch wird es sogar noch am gleichen Tag zugestellt.

Zumindest aus Kundensicht scheint Amazon somit vieles richtig zu machen. Dennoch hat sich die Buchbranche die Frage, was der stationäre Handel von dem Online-Konzern lernen kann, viel zu lange nicht gestellt. Stattdessen konzentrierte sie sich darauf, Imagekampagnen gegen Amazon zu fahren.

Dieses Versäumnis geht auch auf die Struktur des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels selbst zurück. Er vertritt sowohl die Interessen der Verlage, des Zwischenhandels als auch der Buchhandlungen. Statt jedoch gemeinsam nach Auswegen aus der Misere zu suchen, verfolgen die einzelnen Gruppierungen längst ihre je eigenen Ziele. Offen diskutiert wird dies im Börsenverein allerdings nicht.

Das Nachsehen haben vor allem jene, die das schwächste Glied in der Buchmarktkette bilden: die unabhängigen Buchhändler. Ihnen fehlt nach wie vor eine tragfähige Zukunftsstrategie. Und zu allem Überfluss werden sie zudem von zwei vermeintlichen Handelspartnern in die Zange genommen – zum einen von den großen Verlagen, zum anderen von einer Allianz aus Buchhandelsketten und Teilen des Zwischenbuchhandels.

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