Letzte Einträge

Die Rückkehr des Journalismus

Mit der Zeitungskrise scheint die Erkenntnis einher zu gehen, dass man mit Journalismus kein Geld mehr verdienen kann. Schon seit langem befindet sich die verkaufte Gesamtauflage bundesdeutscher Tageszeitungen im Sinkflug. Es bedarf daher keiner hellseherischen Fähigkeiten, um vorherzusagen, dass in den kommenden Monaten weitere Tageszeitungen ihren Vertrieb einstellen werden.

Dass journalistische Angebote jedoch auch erfolgreich sein können – zumal im Internet –, zeigt ein Blick auf die renommierte „New York Times“. Sie hat bereits 2011 ein Bezahlmodell für ihr digitales Angebot eingeführt. Nur ein Jahr danach verkauft die NYT bereits durchschnittlich mehr digitale als gedruckte Ausgaben. Haben wir es also möglicherweise gar nicht in erster Linie mit einer Krise der Zeitungen, sondern vielmehr mit einer Krise des Journalismus zu tun? Was aber bedeutet dies für die Verlage? Weiterlesen…

Piraten auf Schlingerkurs

Vor wenig mehr als einem Jahr ging ein politisches Beben durch die Republik: Quasi aus dem Nichts heraus enterte die Piratenpartei erst das Berliner Abgeordnetenhaus, dann – innerhalb weniger Monate – die Landtage im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen. Zwischenzeitlich lagen die Piraten in bundesweiten Umfragen bei über 13 Prozent und damit noch vor den Grünen.

Die selbst ernannte „digitale Volkspartei“ trat mit dem Versprechen an, die eingefahrene Parteiendemokratie mit einer transparenten und basisdemokratischen Mitmach-Politik zu erneuern. Von der anfänglichen Aufbruchstimmung ist jedoch kaum etwas geblieben: Momentan bieten die Piraten vielmehr das Bild einer zutiefst zerstrittenen Partei. Statt politischer Interessenkonflikte dominieren Beleidigungen, Eitelkeiten und Missgunst – beispielsweise im Streit um das jüngste Buch von Julia Schramm oder die Einkommensverhältnisse des ehrenamtlich tätigen politischen Geschäftsführers Johannes Ponader.[1] Weiterlesen…

»Taa-taa, ta ta ta taaa«

Wie schnell auch hierzulande der Volkszorn hochkochen kann, demonstrierte jüngst eine kurze Meldung in der „Bild“-Zeitung: Demnach plant die ARD die Erkennungsmelodie, die seit 1956 die „Tagesschau“ einleitet, zu „entsorgen“ und durch eine neue zu ersetzen. Knapp 70 Prozent der Befragten sprachen sich daraufhin in einer Umfrage entschieden für den Erhalt der Tonfolge aus.

Seitdem bemüht sich die Vorsitzende der ARD, Monika Piel, die Wogen zu glätten. Das altbekannte »Taa-taa, ta ta ta taa« bliebe erhalten, versicherte sie auf einer hastig einberufenen Pressekonferenz. „Wir wären ja verrückt, wenn wir das ändern würden“, so Piel weiter, „wir haben hier schließlich eine Marke, die jeder kennt.“ Weiterlesen…

Facebook: Cash mit dem Crash

Die Medien sind sich einig: Das Börsendebüt von Facebook geriet zum Fiasko. Nur mit Mühe konnte sich der Preis der Facebook-Aktie am ersten Handelstag, dem 18. Mai d.J., über dem Ausgabekurs von 38 US-Dollar halten. Bereits am Tag darauf verzeichnete das Papier ein Minus von 11 Prozent. Mitte Juni sank der Preis dann sogar auf rund 29 US-Dollar, was einen Verlust von knapp 24 Prozent bedeutet.

Doch der Schein trügt. Denn zumindest aus Sicht von Facebook lief alles weitgehend nach Plan. Ein Börsengang (Initial Public Offering, kurz IPO) dient schließlich dazu, einem Unternehmen durch den Verkauf von verbrieften Geschäftsanteilen Kapital zuzuführen. Facebook hat diese Gelegenheit „glänzend“ genutzt, indem es gezielt überhöhte Gewinnerwartungen schuf, die dem Konzern lukrative Gewinne garantierten. Der Zeitpunkt des Börsengangs war obendrein klug gewählt. Denn die Unternehmensführung weiß, dass das Geschäftsmodell von Facebook derzeit an seine Grenzen stößt. Weiterlesen…

Randale um die Sandale

Man sollte meinen, die Journalisten dieses Landes hätten sich längst an den Anblick der Piraten gewöhnt. Doch weit gefehlt: Ein Auftritt ihres neuen politischen Geschäftsführers, Johannes Ponader, in der Talkshow von Günther Jauch genügte, um die „bürgerlichen Medien“ auf die Barrikaden zu treiben. Stein des Anstoßes waren dabei nicht die politischen Aussagen Ponaders, sondern dessen Schuhwerk. Weiterlesen…

Die digitale Gestapo

Der Druck auf die Ermittlungsbehörden war hoch. Alle Beteiligten wollten den Mörder der kleinen Lena so rasch wie möglich dingfest machen. In rasender Geschwindigkeit verbreitete sich daher die Nachricht von der Festnahme eines 17-jährigen Tatverdächtigen – auch im Internet. Die Wut kochte hoch, Mitglieder des sozialen Netzwerks Facebook veröffentlichten die Adresse des jungen Mannes, und es kam zu Lynchaufrufen.

Eine Facebook-Gruppe rief sogar dazu auf, das Emder Polizeikommissariat zu stürmen. In der darauf folgenden Nacht versammelten sich rund 50 Menschen vor dem Gebäude und forderten die Polizei lautstark auf, ihnen den Verdächtigen auszuhändigen.

Der Festgenommene bestritt seine Tat. Tatsächlich wurde er nach wenigen Tagen wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Kurz darauf nahm die Polizei einen weiteren Verdächtigten fest. Der 18-jährige Mann gestand innerhalb weniger Stunden den Mord an dem Mädchen. Weiterlesen…

Piratenpartei: Vom Betriebssystem
zum Parteiprogramm

Mitte Februar gingen mehrere zehntausend Menschen in Deutschland auf die Straße. Sie protestierten gegen ACTA, ein internationales Handelsabkommen gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen im Internet. Die Demonstranten befürchten, dass das Abkommen zu Online-Zensur führt und fordern stattdessen eine grundlegende Reform des Urheberrechts. Die Regierungskoalition zeigte sich überrascht vom „Aufstand der Generation Internet“ (FAZ) und setzte die Ratifizierung des Abkommens vorerst aus.

Allmählich begreifen die „etablierten“ Parteien, dass Netzpolitik nicht länger ein Nischenthema ist, sondern Konjunktur hat. Seit einigen Monaten verfügen die Digital Natives sogar über eine eigene parlamentarische Stimme: die Piratenpartei. Ihr gelang Ende vergangenen Jahres mit erstaunlichen 8,9 Prozent überraschend der Einzug in das Berliner Abgeordnetenhaus. Seitdem befindet sich die Partei weiter im Aufwind. Für die kommenden Landtagswahlen im Saarland und in Schleswig Holstein werden ihr zwischen fünf und sieben Prozent der Wählerstimmen vorhergesagt, im Bund sind es sogar bis zu neun Prozent.

Dass die Piraten Stimmen aus allen politischen Lagern erhalten, dürfte auch an der Unbestimmtheit ihrer politischen Ausrichtung liegen. Noch ist in den Augen vieler Beobachter unklar, ob sie in die Fußstapfen der FDP oder der Grünen treten. Der Vorsitzende der Partei, Sebastian Nerz, weicht einer klaren Positionierung aus: Er halte nichts von dem „Schubladendenken“ politischer Kategorien.

Auf diese Weise wollen die Piraten um jeden Preis den Eindruck vermeiden, sie seien eine Partei wie jede andere. Stattdessen verstehen sie sich als politische Systemadministratoren, die das Ziel verfolgen, „das Betriebssystem ihrer Staaten auszutauschen, mindestens aber es herunterzufahren, gründlich zu reparieren und neu zu starten.“ Das neue Betriebssystem soll sich durch basisdemokratische Entscheidungsstrukturen, transparente Verfahren und größtmögliche Freiheit auszeichnen.

Ihr Erfolg zwingt die Piratenpartei jedoch, sich über diese prozeduralen Fragen und die Netzpolitik hinaus auch zu anderen politischen Themen zu äußern. Im Zuge der programmatischen Debatten kommen die Piraten dabei nicht umhin, auch ihre Kernforderungen – Basisdemokratie, Transparenz und Freiheit – zu hinterfragen. Die Folge dieser Entwicklung ist absehbar: Die Piratenpartei ist auf dem besten Weg, ihre Alleinstellungsmerkmale zu verlieren und eine ganz normale Partei zu werden.

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Das Wettrüsten im Internet

Der Datenverkehr im Internet überwindet scheinbar mühelos alle Grenzen. In Sekundenbruchteilen rasen Informationen von einem ans andere Ende der Welt. Die zunehmende Vernetzung führt jedoch auch Risiken mit sich. Lange Zeit warnten Experten vor allem vor Computerviren oder Betrugsversuchen im Netz. Nun weisen sie auf eine neue, weitaus größere Gefahr hin: Sogenannte Kritische Infrastrukturen gerieten zunehmend ins Visier von professionellen Hackern. Ein Cyberangriff könnte die Energieversorgung, das Finanzwesen oder gar militärische Einrichtungen eines Landes treffen – mit dramatischen Folgen für die Bevölkerung.

Richard Clarke, ehemaliger Bundeskoordinator für nationale Sicherheit unter den US-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush, beschreibt in seinem jüngst auf Deutsch erschienenen Buch „World Wide War“ die Folgen eines „Digital Pearl Harbour“, eines überraschenden Cyberangriffs auf die USA: Nachdem es Hackern gelungen ist, die Server amerikanischer Energieunternehmen unter ihre Kontrolle zu bringen, lösen sie einen landesweiten Stromausfall aus. Raffinerien gehen daraufhin in Flammen auf und Giftgaswolken treiben auf Ballungsräume zu. Die Verkehrs- und Kommunikationssysteme erleiden einen Totalausfall, infolge dessen kollabiert das Finanzsystem. Schließlich werden die Lebensmittel knapp, Polizei und Notdienste verlieren die Kontrolle über das wachsende Chaos, Tausende Menschen sterben.

Im Cyberwar muss aus Sicht von Sicherheitsexperten somit kein einziger Schuss fallen, um eine Supermacht wie die USA in die Knie zu zwingen. Doch ist dieses Szenario realistisch? Was ist tatsächlich dran am sogenannten Cyberwar?

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Anonymous vs. Facebook

Zum Nachhören: Mein Radio-Interview im “Journal am Mittag” des SWR2 vom 4. November 2011. Thema des Gesprächs war der angekündigte Angriff von Anonymous auf Facebook – der am Ende allerdings ausblieb.

SWR2 Journal: Anonymous vs. Facebook

Irene NYC

Das letzte Mal war ich im Hochsommer vor drei Jahren in New York. Ich erinnere mich an glühenden Asphalt, grelllaute Straßen und zielstrebige Menschenströme.

Auch wenn der große Sturm ausblieb – und stattdessen der Verängstigungsjournalismus an Stärke gewonnen hat: Zwei junge Filmemacher aus Manhattan haben die melancholische Stimmung einer vorübergehend ausgestorbenen Stadt eingefangen. Gerne hätte ich diese Seite New Yorks kennengelernt.



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